Die Frage stellt sich jeden Tag gegen halb fünf, und sie wird nicht leichter, je länger man auf den offenen Kühlschrank starrt. Dabei gibt es eine Antwort, die seit Generationen funktioniert und die kein Rezeptportal ersetzt: Kochen Sie, was gerade Saison hat. Die Auswahl schrumpft von tausend Möglichkeiten auf eine Handvoll, die Zutaten sind frisch, günstig und schmecken nach etwas, und der Speiseplan schreibt sich beinahe von selbst.
Ich gehe seit 30 Jahren nach diesem Prinzip auf den Wochenmarkt, und ich verspreche Ihnen: Wer den Kalender kennt, steht nie wieder ratlos vor der Gemüsetheke. Hier ist die saisonale Antwort auf die ewige Frage, Monat für Monat.
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Springen Sie zum aktuellen Monat, nehmen Sie eines der genannten Gemüse und kochen Sie das vorgeschlagene Gericht oder Ihre eigene Variante davon. Welches Gemüse und Obst gerade Hauptsaison hat, zeigt unser Saisonkalender für alle zwölf Monate im Detail. Die ausführlichen Monatsbegleiter mit Rezepten finden Sie in der Saisonküche.
Januar: Lagerküche mit Grünkohl
Der Januar kocht aus dem Vorrat und vom Winterfeld: Grünkohl, Rosenkohl, Möhren, Kartoffeln, Chicorée. Meine Antwort auf den Januar-Abend ist ein Grünkohleintopf mit Kartoffeln, der am zweiten Tag besser schmeckt als am ersten. Wer es frischer mag, schichtet Chicorée mit Orangen zum Wintersalat.
Februar: Wirsing und Wurzeln
Wirsing, Lauch, Pastinaken und Rote Bete tragen den kürzesten Monat. Ein Wirsing-Kartoffel-Auflauf mit Muskat beantwortet die Frage an kalten Tagen zuverlässig. Geriebene Rote Bete mit Apfel dazu, fertig ist ein Essen, das satt und wach zugleich macht.
März: der Übergang
Das Lager leert sich, Spinat und Feldsalat machen den Anfang vom frischen Grün. Jetzt ist die Zeit für Spinat mit Rührei und Salzkartoffeln, das ehrlichste Übergangsessen, das ich kenne. Der letzte Lauch wird zur Suppe mit weißen Bohnen.
April: Spargel eröffnet, Rhabarber folgt
Ab Mitte April beantwortet der Spargel die Tagesfrage praktisch allein. Klassisch mit Kartoffeln und brauner Butter, oder grün gebraten mit Radieschen. Zum Nachtisch schlägt die Stunde des Rhabarbers: als Kompott mit Vanille versöhnt er auch Skeptiker.
Mai: Erdbeeren, Kohlrabi, junger Salat
Im Mai kommt das erste Beet-Gemüse in Fahrt. Kohlrabischnitzel mit Kartoffelpüree für die Familie, Kopfsalat mit Radieschen als Beilage, und zum Wochenende die ersten Erdbeeren pur mit einem Löffel Sahne. Mehr braucht ein Mai-Tag nicht.
Juni: die erste Fülle
Erbsen, Buschbohnen, Kirschen und die ersten Zucchini. Jetzt gilt: einfach kochen und die Frische arbeiten lassen. Erbsenrisotto mit Zitrone, Buschbohnen mit Speck als Beilage, und wer Kirschen übrig hat, kocht das erste Kompott des Jahres.
Juli: die Schwemme beginnt
Tomaten, Gurken, Zucchini, Mangold und Johannisbeeren, alles gleichzeitig. Die Juli-Antwort heißt bei mir Gemüsepfanne quer durchs Beet: Zucchini, Tomaten und Zwiebeln scharf angebraten, Kräuter darüber, Brot dazu. Für die Zucchini-Flut empfehle ich unsere schnellen Rezepte gegen die Zucchini-Schwemme.
August: ernten, kochen, haltbar machen
Der August liefert schneller nach, als gekocht werden kann: Tomaten, Paprika, Bohnen, die ersten Zwetschgen. Tomatensauce in großen Töpfen ist jetzt die vernünftigste Antwort, ein Teil fürs Abendessen, der Rest für später. Was übrig bleibt, wird eingefroren oder eingelegt.
September: Kürbis übernimmt
Kürbis, Äpfel, Birnen, Zwetschgen. Die erste Kürbissuppe des Jahres mit Ingwer beantwortet den September-Abend, Zwetschgenkuchen das Wochenende. Grüne Resttomaten reifen auf der Fensterbank nach oder werden als Chutney verwertet.
Oktober: deftige Wochen
Weißkohl, Quitten, späte Äpfel, Lagermöhren. Jetzt schmecken Kohlrouladen wieder, und wer den Sonntag Zeit hat, setzt Quittengelee an. Der Oktober ist außerdem der Monat, in dem der Vorratskeller gefüllt wird: Äpfel, Möhren und Kartoffeln einlagern.
November: Grünkohl nach dem Frost
Grünkohl, Rosenkohl, Schwarzwurzeln, Chicorée. Rosenkohl aus dem Ofen mit Kartoffeln und Zwiebeln ist die unterschätzteste November-Antwort, die ich kenne. Der erste Frost macht den Grünkohl süßer, danach beginnt seine eigentliche Saison.
Dezember: aus Vorrat und Winterbeet
Feldsalat, Chicorée, Rosenkohl und alles, was Keller und Gefrierfach hergeben. Zwischen den Festtagen beantwortet ein Feldsalat mit gebratenen Kartoffelwürfeln und Speck die Frage besser als jedes aufwendige Menü. Und das Eingekochte vom Sommer zeigt jetzt, wofür die Arbeit gut war.
Wenn es schnell gehen muss
Für den Abend, an dem gar nichts geplant ist, hat sich eine einfache Formel bewährt: ein Saisongemüse, eine Sättigungsbeilage, ein Frischepunkt. Zucchini plus Nudeln plus Zitrone. Wirsing plus Kartoffeln plus Senf. Kürbis plus Reis plus Joghurt. Diese Dreierregel funktioniert in jedem Monat, mit jedem Gemüse aus dem Kalender, und sie hat in meiner Küche schon hunderte halb fünf Uhr Momente gerettet.
Die Frage kommt morgen wieder. Aber ab jetzt hat sie eine Antwort, die mit dem Jahr wandert.
