Neulich fragt mich doch glatt jemand im Kochkurs, ob ich auch Samen für den Zimtschnecken-Strauch habe. Ich musste wirklich lachen. Also, mal zur Klarstellung für alle, die neu hier sind: Zimtschnecken sind keine Pflanze, die man im Garten anbauen kann. So schade das auch ist. Es ist ein süßes Gebäck aus Hefeteig, das mit ordentlich Zimt und Zucker gefüllt wird. Und was für eins!
Wenn es draußen ungemütlich wird, der Herbstwind ums Haus pfeift oder die Familie nach einer langen Woche im Garten und auf dem Feld nach echtem Seelenfutter schreit, dann gibt es bei uns genau das. Heute mal nichts aus der Ernteschwemme, kein verstecktes Gemüse, sondern einfach nur purer, klebriger, warmer Genuss. Dieses Zimtschnecken Rezept ist mein Alleskönner für solche Momente. Es ist einfach, gelingsicher und der Duft, der durchs Haus zieht, ist unbezahlbar.
So gelingt der Hefeteig garantiert – auch nach Feierabend
Keine Angst vor Hefeteig. Das ist wirklich einfacher, als du denkst, und braucht keine Spezialgeräte. Eine große Schüssel und deine Hände reichen völlig. Der Trick ist, den Zutaten ein bisschen Zeit und Wärme zu geben.
Zuerst erwärmst du die Milch in einem kleinen Topf. Sie sollte nur lauwarm sein, also so, dass du bequem einen Finger reinhalten kannst. Ist sie zu heiß, stirbt die Hefe und dein Teig geht nicht auf. In die lauwarme Milch bröselst du die frische Hefe und rührst einen Teelöffel vom Zucker ein. Lass das Ganze kurz stehen, bis die Hefe anfängt, kleine Bläschen zu bilden. Das dauert etwa 5 Minuten.
In der Zwischenzeit gibst du das Mehl, den restlichen Zucker und die Prise Salz in eine große Schüssel und mischst alles kurz durch. Mach in die Mitte eine kleine Mulde. Dorthinein kommt jetzt das Ei und die aktivierte Hefe-Milch. Die weiche Butter gibst du in kleinen Flöckchen an den Rand. Weiche Butter lässt sich viel besser von Hand einkneten als kalte, harte Stücke.
Jetzt kommt der beste Teil: das Kneten. Knete alles mit den Händen oder den Knethaken deines Handrührers für mindestens 5–10 Minuten kräftig durch. Der Teig soll am Ende schön glatt und elastisch sein und sich vom Schüsselrand lösen. Forme ihn zu einer Kugel, leg sie zurück in die Schüssel, decke sie mit einem feuchten Küchentuch ab und stell sie an einen warmen, zugfreien Ort. Meine Oma hat den Teig immer unter die Bettdecke gestellt. Ein Platz neben der Heizung tut es auch. Dort darf der Teig jetzt für mindestens 30 bis 60 Minuten gehen, bis er sich sichtlich vergrößert hat.
Füllen, rollen, schneiden: Die Verwandlung zur Schnecke
Ist der Teig schön aufgegangen? Wunderbar. Knete ihn auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche noch einmal kurz durch und rolle ihn dann zu einem großen Rechteck aus, ungefähr so groß wie ein Backblech.
Für die Füllung verrührst du die sehr weiche Butter mit dem braunen Zucker und dem Zimt zu einer streichfähigen Paste. Wer es süßer mag, nimmt etwas mehr Zucker, wer den Zimt liebt, nimmt einen Löffel mehr. Das ist das Schöne am Selbermachen. Bestreiche das Teigrechteck gleichmäßig mit dieser Masse, aber lass an einer der langen Kanten einen schmalen Rand von etwa einem Zentimeter frei.
Jetzt wird gerollt. Beginne an der langen Seite gegenüber dem freien Rand und rolle den Teig fest, aber nicht zu straff, zu einer langen Wurst auf. Das freie Ende kannst du mit ein bisschen Wasser befeuchten, damit die Rolle gut zusammenklebt. Nun schneidest du die Rolle in etwa 3–4 cm dicke Scheiben. Mein Geheimtipp: Nimm dafür ungewachste Zahnseide oder einen starken Faden. Damit bekommst du saubere Schnitte, ohne die Schnecken zu zerdrücken.
Lege die einzelnen Schnecken mit etwas Abstand zueinander in eine gefettete Auflaufform oder auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech. Decke sie noch einmal ab und lass sie an einem warmen Ort weitere 30 Minuten gehen. In dieser Zeit werden sie noch mal richtig fluffig. Heize währenddessen den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vor.
Schieb die Form in den Ofen und backe die Zimtschnecken für etwa 18–25 Minuten, bis sie goldbraun sind. Jede Röhre ist anders, also behalte sie gegen Ende der Backzeit gut im Auge.
Der Zuckerguss: Das klebrige i-Tüpfelchen
Zimtschnecken sind schon pur ein Genuss, aber mit einem Guss werden sie perfekt. Verrühre einfach den Puderzucker mit so viel Milch oder Zitronensaft, bis eine dickflüssige, aber noch gießfähige Masse entsteht. Zitronensaft gibt dem süßen Gebäck eine frische Note, die ich sehr mag. Meine Kinder bestehen aber auf der Milch-Variante.
Verteile den Guss über die noch warmen Zimtschnecken. So verläuft er schön und zieht leicht ein. Und dann heißt es: Zugreifen, solange sie noch warm sind. Am besten schmecken sie direkt vom Blech.
Kleine Zimt-Kunde für Neugierige
Wo wir schon beim Thema sind: Woher kommt eigentlich das Gewürz, das diesem Gebäckrezept seinen Namen gibt? Spoiler: Nicht aus meinem Garten in der Wetterau. Das Gewürz Zimt wird aus der getrockneten Rinde des Echten Zimtbaums gewonnen. Für die ganz Genauen unter uns lautet sein wissenschaftlicher Name Cinnamomum zeylanicum. Der Baum wächst in tropischen Regionen und braucht ein Klima, das wir ihm hierzulande beim besten Willen nicht bieten können.
Während der Pflanzenanbau von Zimt also den Profis in wärmeren Gefilden überlassen bleibt, können wir uns hier voll und ganz auf die Verarbeitung konzentrieren. Wenn du dich aber dafür interessierst, welche Kräuter und Gewürze du erfolgreich in deinem eigenen Garten anbauen kannst, dann schau doch mal bei den Kollegen vom Gemüsegarten-Ratgeber vorbei. Die wissen alles über den Anbau von Dingen, die bei uns auch wirklich wachsen.
Deine Fragen, mein Zimtschnecken-Rezept
Kann ich auch Trockenhefe nehmen? Klar, das geht auch. Ein Päckchen Trockenhefe (7 g) entspricht einem Würfel Frischhefe und reicht für 500 g Mehl. Mische die Trockenhefe einfach direkt unter das Mehl, der Vorteig mit der Milch entfällt dann.
Kann ich die Zimtschnecken vorbereiten? Ja, das klappt super. Du kannst den fertig gerollten und geschnittenen Teig in der Form abgedeckt über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Morgen holst du ihn raus, lässt ihn etwa 30 Minuten bei Raumtemperatur stehen und backst ihn dann wie beschrieben. Perfekt für ein entspanntes Wochenendfrühstück.
Was, wenn ich keinen braunen Zucker habe? Kein Problem. Normaler weißer Zucker funktioniert auch. Die Füllung wird dann etwas heller und weniger karamellig im Geschmack, aber immer noch sehr lecker.
Hilfe, meine Schnecken sind trocken geworden! Das passiert meistens, wenn sie ein paar Minuten zu lange im Ofen waren. Jeder Ofen heizt etwas anders. Taste dich beim nächsten Mal langsam an die perfekte Backzeit heran. Oder sei bei der Füllung großzügiger, mehr Butter macht sie saftiger. Übung macht den Meister, die zweite Ladung sitzt bestimmt!





